Mittag, vierter Kaffee, Erkältung schwirrt im Kopf herum. Mein jugendlicher Roman”held” und ich werden nicht ganz warm miteinander. Eigentlich gar nicht. Er hat völlig andere Wünsche und Vorstellung betreffs seiner Frisur als ich. Ich schicke ihn zum Friseur, er strebt sich dagegen. Es ist ein schwerer Kampf, der geschlagen werden muss, wenn es mal weitergehen soll in der Handlung.
Als Leser hat man keine Chance, das Geschehen innerhalb eines Buches zu beeinflussen, aber seien Sie sich versichert: Als Autor auch nicht immer. Eigentlich ist es bereits zu spät, wenn man einen Charakter erschaffen hat, der einen eigenen Willen besitzt. Dann kann man nur auf gute Zusammenarbeit mit demjenigen hoffen, oder ihn mitten in der Handlung zugunsten der Geschichte wieder abtreten lassen.
Habe geträumt, dass sich Kollege Kruschel mit reinhängen will, als er von dem Buch erfährt. Das fehlt mir gerade noch. Und nun entschuldigen Sie mich bitte, ich muss den Jungen davon abbringen, sich selbst an den Haaren herum zu färben. Wissen Sie, wie schlimm das dann die nächsten hundert Seiten aussieht? Sie erahnen es. So was wollen auch Sie nicht lesen müssen – und ich nicht schreiben.