Die Abenteuer des UPS-Zustellers “Juan der Pünktliche”

Die deutsche Post erzieht zur Entschleunigung. Vielleicht will sie uns damit etwas Gute tun, sicher ist nur, dass man seine Briefe, Karten und Pakete teils nie wieder sieht, oder erst im Rentenalter. Ich habe den starken Verdacht, dass in etwa zehn Jahren eine kleine Flut von Post auf mich einprasseln wird, jede Sendung, die je verschollen ist.

Mit Litheart.de haben wir uns über die Jahre viele Freunde gemacht unter den Labels und Verlagen. Und manche davon wissen zielsicher, welche Musik ich in dieser Woche gern hören und besprechen würde, welches Buch sich in meinem Regal gut machen und welchen Autor ich unbedingt mal auf den Prüfstand stellen sollte. Und dann senden sie von sich aus Päckchen los und bei mir ist jeden Tag Weihnachten. Jeden Tag? Jeden Tag. Aber zeitversetzt. Manchmal erhalte ich CDs, von denen ich mich frage, warum ich sie drei Monate nach Erscheinen besprechen soll. Und dann wird klar, dass das Päckchen irgendwo in den Alpen lag. Lange. Jahreszeitenlange. Jahrhunderte. Ich bin mittlerweile froh wenn ich noch ein Abspielgerät besitze, welches das Format bedient.

Austria – Deutschland scheint ohnehin eine sehr sehr kritische Strecke zu sein, vieles was versandt wurde, wird wohl nie wieder auftauchen. Aber auch die Niederlande haben Probleme, wenn sie mir etwas zusenden möchten. Den Rekord aller Zeiten hält allerdings die Strecke USA – Brasilien. Im November verschickte ich dort ein Päckchen. Es kam nie an. Trotz Sendungsverfolgung, trotz UPS. Im Februar dann sah der Support den Fehler ein und schickte die gleich Sendung noch einmal auf seine Kosten. Eigentlich war es mal ein Weihnachtspäckchen gewesen. Es kam nie an.

In meiner Vorstellung schlägt sich seit fünf Monaten ein einsamer UPS-Mann durch den Regenwald. Jetzt gerade hängt er vermutlich in Kolumbien fest, versucht Lösegelder aufzutreiben, um seine Reise fortzusetzen, nachdem er sich aus Geldmangel einer Gang angeschlossen und nun ein paar rivalisierende Bandenmitglieder auf dem Gewissen hat. Sie nennen ihn “Juan den Pünktlichen”, weil er stets wirkte, als müsste er noch wo hin. Tom glaubt mittlerweile, das sei sein eigentlicher Name, nachdem er mit einer Amnesie aufwachte, nur die Zustelldaten des Päckchens in seinem Rucksack auf den linken Oberarm tätowiert. In ein bis zwei Monaten wird er in Brasilien ankommen und dort beginnt ja erst die eigentliche Reise, denn er muss es lebend bis Sao Paulo schaffen, mittellos und zu Fuß!

Irgendwann wird es an Moaras alter Adresse klopfen und niemand wird öffnen, denn sie ist längst mit ihren bis dahin drei Kindern und dem zweiten Ehemann nach LA gezogen. Aber das Päckchen das wird angekommen sein und dann “unzustellbar” den Rückweg antreten. Mitte 2015 werde ich eine Mail vom Support erhalten mit der Frage, ob sie versuchen sollen, es neu zuzustellen und ich werde ein drittes Mal mit “Ja! Nur zu!” antworten.

Wie mir einmal Viktor Pelewin seinen neuen Roman vorlas

Es ist Frühling, die Asis schreien sich wieder über die Straße hinweg an, heute: Verheult. Eine neue Variation, die ich mir gern weiter anhören würde, wenn ich nicht das starke Bedürfnis verspüren würde, das Fenster zu schließen.

Dabei wohne ich sehr ruhig. Das sagen alle. Alle, die mich besuchen kommen und immer dann, wenn eine peinliche Stille entsteht und nicht einmal ein entferntes Autogeräusch zu hören wäre, um sie zu stören. “Schön ruhig wohnst du” sagen sie dann während ich meine Flucht plane. Dinge, die immer gehen: Ein Glas Wasser holen. Dem Wasserfilter beim Reinigen meditativ zusehen und sich beim Besuch nicht entschuldigen, dass der Weg bis in die 3 Meter entfernte Küche etwa zwölf Minuten dauerte.

Apropos Wohnen. Wenn Sie sich so hier umsehen, fällt Ihnen dann etwas auf? Ja, die Hintergrundfarbe ist anders. So violett. Und sonst? Richtig, die Artikel haben eine Titelzeile, nur so weiter, Sie sind auf der richtigen Spur. Korrekt: Das ist nicht der Blog, den Sie besuchen wollten. Aber bleiben Sie doch kurz, es gibt Neuigkeiten!

“Wie ich einmal Viktor Pelewin nicht fand” wurde vom durchnummerierten Arbeitsbericht zum Privatblog! Warum? Keine Ahnung, ich weiß doch auch nicht alles. Nur, dass es schade wäre einen so schönen Blognamen zu verschenken.

Übrigens hat Edition Luchterhand mir vor einiger Zeit den neuen Pelewin zukommen lassen, weil sie wussten ich würde mich freuen wie bescheuert und ihn jedem zeigen, der ihn nicht sehen möchte. Das Lesen habe ich allerdings noch nicht geschafft. Wenn ich mir von Luchterhands noch etwas wünschen dürfte, dann dass Pelevin mir den neuen Band in meinem Wohnzimmer selbst vorliest. Ein Glas Wasser ist dabei optional.

LENIN!

Im Winter die Tomaten daheim verschneiden. Kehre das Laub aus dem Wohnzimmer aus und stoße mit dem Besen gegen Lenin. Lenin liegt da so, wortwörtlich als Türstopper. Nicht in Persona, keine Büste, kein Lenin-Gesamtwerk, irgendein 1000seitiger Band über Lenin. Nie reingeschaut. Man könnte es ignorant nennen, aber den Band habe ich wirklich aus praktischen Gründen gekauft. Einmal, weil ich zu viel Geld hatte (obviously) und andererseits, weil ein Paket geordert werden musste.

Nach zwei Jahren hatte ich mich vor einiger Zeit überlegt, dass es wohl gut wäre, außerhalb der telepathischen Ebene mit meinem Hermeslieferanten ein paar Worte zu wechseln, denn offenbar würde dieser nie von sich aus fragen, ob wir mal irgendwo einen Tee trinken gehen und ein Dritter würde sich nicht einschalten. Da blieb nur ich über, zu fragen. Es war ein Kampf, Buchhändler dazu zu bringen, mit Hermes zu versenden, aber es lohnte sich und die Konversation war ein voller Misserfolg.

Sie stellen sich bitte folgendes Szenario vor. Sie bestellen einen Berg Bücher zu russischer Politik, puzzlen an Ihrer Pinnwand den ganzen Morgen nervös die Dvorkovich-, Surkov- und Medvedev-Ikonen um, haben Ihr schönstes Lukianenko-Fanshirt an und es läuft Kino. Sie selbst bekommen das schon jahrelang nicht mehr mit, das Mini-Russland in Ihrer Wohnung. Es klingelt nun also, Sie haben sich eine Konversation bereit gelegt und Ihr russischer Lieferant fragt aber ungeplant statt einem Hallo, ob Sie eigentlich Russisch sprechen. Wegen dem Shirt. Und den Büchern. Und der Musik. Und weil er das ja nun auch schon 2 Jahre lang verfolgt. Auf Russisch. Und Sie so “Nö”. Und Sie sind sich in diesem Moment auch ganz sicher, dass das eine gute Antwort war, weil Ihr Russisch gar nicht mal so gut ist und man es nicht “sprechen” nennen kann. Hermes ist verwirrt. Sie sind verwirrt. Sie sagen Ihren Monolog dennoch auf, er verhallt im Treppenhaus.

Ich schaue gern zurück auf diesen Versuch sozialer Interaktion. Morgen kommt ein Zeitzeugen-Erzählband zur Oktoberrevolution an mit Hermes. Der Ebayverkäufer, der sich mittlerweile knirschend dazu bereiterklärt hat, alle meine Bestellungen teuer zu verschicken, bekommt viel Trinkgeld. Aber diesmal bin ich gewappnet. Schiebe den Lenin-Türstopper zur Seite und kehre fertig durch.

Sprachen verlernen

Sprachen lernen ist ein praktisches Hobby. Eine Sprache ist mehr als Kommunikation. Sie zieht mit sich, dass man sich mit Kultur auseinandersetzt, Geschichte nachliest und am Ende des Lernprozesses stehen Millionen Menschen, die es zu treffen gilt, Filme und Musik, wenn man gut ist auch Literatur. Eine Sprache ist eine sinnvolle Zeitinvestition, aber Talent braucht es. Zumindest behaupte ich das mal in den Raum hinein, dass es Menschen gibt, die Fremdsprachen langsamer lernen, als andere. Am einfachsten hat man es wohl mit einem guten Gedächtnis.

Ich gehöre zu dem Personenkreis, der Sprachen in Schneckentempo lernt. Was sicher auch daran liegt, dass mein Gedächtnis meist ungefähr bis zum Abendessen reicht und ich mich den nächsten Tag bereits frage, was ich am Vortag eigentlich so getan habe. Das ist kontraproduktiv, wenn man sich an Grammatik und Vokabeln erinnern möchte. Das allein hält mich allerdings nicht davon ab, ständig neue Sprachen zu lernen, nicht perfekt aber zumindest in den Grundzügen.

Alles fing damit an, dass meine Eltern gern und viel reisten, mich als Kind immer im Gepäck hatten und ein guter Teil des Jahres, zumindest jedoch immer die gesamten Ferien, irgendwo auf dem Globus stattfanden. Damals brachte ich mir eigenständig Englisch bei, denn damit kam man überall zuverlässig durch den Alltag. Ich konnte mich in Südafrika mit Jugendlichen unterhalten und selbst auf Island brachte es noch etwas. Allerdings machte sich auch damals schon das Gefühl breit, dass ich die anderen Sprachen der Einheimischen lieber auch verstehen würde. In meinem Kopf war der Turmbau zu Babel in vollem Gange, aber die Arbeiter verstanden sich schon zu Beginn inhaltlich nicht mehr.

Es folgten einige Jahre Latein, einige Jahre Arabisch, zwischendurch ein wenig Algerisch, Urlaubsspanisch, ein paar Brocken Türkisch, etwas Französisch hier und da, Russisch und einige Sprachen in die ich nur mal so reinschaute, um zu sagen “Wow, sieht schwer aus”. Final wurde es dann nun Estnisch als gewählte Drittsprache und daran sitze ich nun und verzweifle laut klagend.

Zumindest ein Straßenschild könnte ich wohl 5-sprachig bemustern, wobei man mir sagte, meine kyrillische und arabische Handschrift könnte man getrost unter “Lesbar, wenn das Gegenüber viel Fantasie mitbringt” abtun. Das tut mir zwar leid, aber gerade Arabisch verursacht einfach Krämpfe. Dazu muss man bedenken, dass man ja von Rechts nach Links schreibt und das – ist gar nicht so einfach, wie man zuerst nicht gedacht hat. Dafür ist Arabisch eine sehr wohlklingende Sprache, wenn man sie nicht dialektbeladen runterrattert sondern hocharabisch ausspricht. Mein Lehrer sagte immer, man müsse sich das was man auf der Straße laut geschrien hört als das Gossenarabisch vorstellen und Deutsche, die sich auf der Straße anschreien würden schließlich auch nicht gerade literarisches Hochdeutsch sprechen. Am besten lernt man Hocharabisch übrigens durch den Koran, auch wenn man mit Koranarabisch im Alltag schief angeschaut wird.

Estnisch ist eine andere Geschichte. Als ebenfalls ziemlich alte Sprache, die gemeinsam mit ein paar anderen nordischen entstanden ist, sich aber stets an ihren Besetzern orientierte, ist sie am ehesten mit Finnisch und Ungarisch verwandt, hat mit ihren geografischen Nachbarn nichts zu tun und einige Wörter aus dem Deutschen und Russischen übernommen. Aber eigentlich hat sie mit nichts etwas gemeinsam und ist der Exot unter den Europäern. 14 grammatikalische Fälle (Russisch hat 8, Deutsch und Englisch 4), 3 Sprachgeschwindigkeiten und 3 Wortwertigkeiten lassen jedes Estnischbuch und davon gibt es nicht viele mit dem Satz “Es ist unmöglich, Estnisch zu lernen aber man kann es versuchen” beginnen. Ich bin da optimistischer rangegangen und muss sagen, ich schätze die Sprache vor allem für eine Kleinigkeit, die ich sonst aus keiner Sprache kenne: Man spricht sie exakt so, wie man sie schreibt.

Sie werden sagen, das sei im Deutschen genauso, aber diese Theorie bröckelt bereits im Wort “Deutsch”. Wenn Sie einem Ausländer erklären müssen, wie man ein “eu” ausspricht (Aber es ist doch ein E und ein U und wieso spricht man nicht E-U?) und was “sch” und s-h und ch unterscheidet – viel Glück dabei. Wenn man im Estnischen “head ööd” (Gute Nacht) sagt, dann sagt man nicht “hett ött” oder “hed ed” sondern he-ad ööd. Wie man es schreibt. Doppelter Buchstabe bedeutet lang gesprochen, einfacher Buchstabe normal gesprochen. Sogar das H existiert friedlich als eigener Buchstabe, den man immer mitspricht. Immer, immer, immer. Und die Betonung liegt außer bei Fremdwörtern immer auf der ersten Silbe. Immer.

So schwer ist das doch gar nicht! Wenn wir die 14 Fälle mal beiseite lassen, von denen ich sieben nicht einmal im genaueren Sinne verstehe. Das kommt, sage ich in einem mir selbst gegenüber gönnerhaften Tonfall und klopfe mir auf die Schulter.

 

 

 

Politisch wichtiges in der UN

“Pelevin ist okay, aber Lukianenko schreibt wie ein Fünfjähriger. Ich befürchte, die Übersetzungen könnten besser geschrieben sein, als das Original. Sind die Sätze bei dir länger als drei Worte? Dann eh.” sagt Russland. Brasilien fragt, was ein Pelevin ist und Kanada ist raus. Unser selbstgemachter Chat heißt “UN” und ist irgendwann mal entstanden und nun ist er da, umfasst sechs Chaotinnen aus jedem Winkel der Welt und manchmal zeigt uns dieser Chat, dass man wirklich international nur sein kann, wenn man schon lange vergessen hat, wo die anderen Teilnehmer her stammen.

Ein Hobby hatten wir alle irgendwann mal gemeinsam, haben wir auch noch, nur nicht zwingend in diesem Chat. Internationale Politik, international relations aber das auf Tumblr. Fragen Sie nicht, Sie wollen nicht wissen, wie man auf einem Teeniebilderblogboard Politik diskutiert. Aber irgendwann existierte dann dieser Chat, in dem sich alle zusammen fanden, die auch sonst ihre Freizeit teilten. Zwei US-Amerikanerinnen, eine Brasilianerin, eine Kanadierin, eine Russin und ich, nennen wir mich in diesem Zusammenhang einmal deutsch. Und was diskutiert man in einem solchen Chat?

Russland: Ist es wahr, dass ihr in Brasilien nur grüne Bananen esst?
Brasilien: Haha, wo hast du das denn her?
Brasilien: (postet ein Foto) Hier, meine gelbe Banane, die ess ich jetzt
USA: An irgendeinem Punkt sollten wir mal eine Diskussion starten “Völliger Quatsch, den du über mein Land gehört hast”. Das wär so unterhaltsam.
Russland: Ich weiß es nicht mal mehr.
Deutschland: Das ist eine ziemlich gewöhnliche Banane.
USA: Immer diese Unterschichtenbananen.
Deutschland: Bauern-Bananen. Tumblr hat uns im Griff.
USA: Bananen sind hier super billig, wie sieht das in deiner Ecke dort aus, Brasilien?
Brasilien: Bananen sind hier so billig, dass wir das Sprichwort “Billig wie eine Banane”, está a preço de banana, haben
Russland: Hier circa 2 Dollar pro Kilo
Deutschland: Und ihr habt nicht mal Dollar, wie rechnest du denn? Wenn es zwei Rubel wären, würde ich mich aber sorgen
Russland: :D 60 Rubel oder so, manchmal billiger
Deutschland: Hier ca 1,90€ das Kilo
USA: 50 Cent das Pfund hier, etwa
Russland: Okay, 30 Rubel das Kilo
Brasilien: 1,50 Real
Russland: Wow.
Brasilien: Ich nehm mal an, Bananen sind einfach überall billig
Russland: Ich meinte den US-Preis, das sind 30 Rubel
Russland: Hier ändert sich der Preis eh täglich, wilde Ökonomieorgien
Brasilien: Ich mach das auch immer so. Preis durch zwei müsste eigentlich Dollar ergeben, aber vermutlich stimmt es nicht mal
USA: Ich hab mal in einem Obst und Gemüseladen gearbeitet und wir haben Bananen immer den Leuten mitgegeben, die praktisch kein Geld dabei hatten, damit sie überhaupt Obst kaufen können
Deutschland: Und wieso sind die Bananen bei euch so extrem billig?
Kanada: Was zum … Bananen?
Deutschland: Du hast es verpasst. Alles.
Kanada: Fünf Minuten war ich weg, schon geht es um Bananen-Exportpreise!
Russland: Banane :)
USA: Wir bekommen die billig direkt aus dem Süden geliefert. Danke für das Ausbeuten deiner Plantagenarbeiter, Chiquita! Allerdings eher Mittelamerika, als ganz südlich.
Brasilien: HEY, IHR ESST MEINE BANANEN WEG
USA: Monroe Plan, Fuckers! *isst eine banane aus prinzip*
Brasilien: Und meinen Orangensaft trinkt ihr mir auch weg!
Kanada: Hier sind die Banen vermutlich so billig, weil die US und wir so viele Deals mit den Erzeugern laufen haben
Deutschland: Aber wir importieren sie auch und der vierfache Preis kann eigentlich nicht am Transport liegen
USA: Unser Orangensaft kommt aus Kalifornien und Florida, glaub ich
Kanada: Oh, zu langsam.
Deutschland: In Dubai bauen sie Erdbeeren an, lasst uns doch die Bananen in Russland hochziehen
USA: Seit der Skihalle in Dubai wundert mich dort nichts mehr
Russland: Wassermelonen
Kanada: Was kommt eigentlich aus Deutschland außer Haribo Gummibären und Nivea Gesichtscreme? Aber ich glaub die Creme wird in Mexiko hergestellt.
Deutschland: Wenn es in Dubai keine Wassermelonen mehr gibt, ist eh aus.
Deutschland: weiß nicht, Gemüse vielleicht? Aber ob wir das im Export haben, zweifel ich an, wir kriegen ja selbst so viel aus Spanien, Niederlanden und Italien.
Brasilien: Jetzt will ich echt wissen, was wir in die USA exportieren
USA: Willkommen in der magischen Welt der *~Ökonomie~*
Brasilien: Ethanol?
USA: Ethanol in Dubai und niemand kann ihn trinken
Brasilien: Sicher, USA?
USA: Außer man kauft sich eine sauteure Lizenz für jede Flasche Wein
Deutschland: Oder du bist eh reich und berühmt, dann gibts vermutlich auch Alkohol im Hotel
Russland: Habt ihr alle irgendwas aus Russland, außer Schnee?
Deutschland: Dosenfisch
USA: Wir bekommen unseren Schnee aus Kanada
Brasilien: Hab mal gegoogelt, wir exportieren Orangensaft und Ethanol.
Deutschland: Eingelegtes Zeug, undefinierbar
Brasilien: Mein Kühlschrank ist immer voll mit importiertem Zeug
Deutschland: Oder das Zeug, das man zu Brei verarbeitet und Pilze und Ei rein tut, ich komm nicht auf den Namen
USA: Eingelegtes oder frostgetrocknetes aus Russland. Und Vodka natürlich, aber das war’s eigentlich. Wir haben allerdings grad in meiner Stadt viele kleine Läden aus Europa, Balkan und so weiter, viele Immigranten von dort.
Brasilien: Ei und Pilze?
Deutschland: Russland sollte das wissen
Russland: Nie gehört
Deutschland: Ihr esst das im Winter
Russland: Pilze mit Ei?
Deutschland: Warte, ich …
Russland: Kartoffeln.
Deutschland: Nein, nein
USA: 90% des europäischen Essens sind Kartoffeln. Immer.
Deutschland: *lädt Foto hoch* Da. Pilze, Ei und Zwiebeln kommen da dran.
Russland: Das ist Buchweizen und niemand packt da Pilze, Ei oder Zwiebeln dran. Wir essen das mit Milch und/oder Butter
Deutschland: Ich hab mir das doch nicht ausgedacht
Brasilien: Sind das Linsen? Ich mag Linsen.
Brasilien: Du ernährst dich eh viel zu gesund.
Russland: Wir müssen aus dem Chat irgendwann ein Buch machen, wird ein Bestseller.

Kristjan kommt!

Sie kennen das. Man sitzt in einem klassischen Konzert und hält sich den Mund zu, um nicht laut loszulachen weil der Nebensitzer nur Millisekunden vor Beginn des zweiten Stückes ruft “KRISTJAN GEHT!” (Leipzig-Insider, da sind Sie raus, wenn Sie die Plakate nicht kennen). Mit einem leisen “Tschüss Kristjan” verabschiedet sich auch dessen Begleitung noch von dem Dirigenten, der eigentlich nur mal kurz den Musikern den Applaus ließ. Und Sie sitzen da und möchten nicht in das Stück hinein lachen, das gerade begonnen hat. Natürlich kennen Sie das.

Ich hatte mir zur Feier des Donnerstages drei Tage frei genommen. So ganz frei waren die zwar nicht, Freitagnacht sah ich mich gegen Ein Uhr über der aktuellen Arbeit sitzen. Aber sonst, sonst waren die drei Tage fast frei. Wochenende werden Sie sagen, aber Schriftsteller haben kein Wochenende. Es gibt zwar nicht direkt spezielle Kalender, die uns die Arbeit am Sonnabend und Sonntag gebieten, aber eine Stimme im Hinterkopf, die beständig dazu ermahnt, doch mal lieber zu arbeiten. Wochenende ist für alle anderen.

Ich hatte also ungeahnte drei Tage frei und mir selbst verboten, viel zu arbeiten zwischendrin. Zu diesem Zwecke war auch Besuch anwesend, sehr praktisch denn wer arbeitet schon wenn Besuch daheim ist. Ich. Indem ich dem Besuch meinen Steamaccount und Kopfhörer hinterließ.

Ich saß also in dem Konzert und versuchte nicht zu lachen. Dafür gab es ja eine Pause und zuende war es auch irgendwann. Schade eigentlich, gerade wo ich mich für das Konzert erwärmt hatte und mein Rücken sich dem Sitz wohlig angepasst hatte. Die übrige Zeit verbrachten wir weitestgehend zeitlos.

Nein nein, keine Drogen. Ich habe da dieses befreundete Café, in dem sich nie etwas ändert. Nun, fast nie aber der Besitzer behauptet, die Zeit stünde seit fast 15 Jahren still. Ich glaube das ungesehen, im letzten Jahr zumindest saßen immer die gleichen Menschen an den gleichen Wochentagen zur gleichen Zeit an ihren gleichen Tischen, aßen und tranken das gleiche und unterhielten sich über die gleichen Belanglosigkeiten. Und so waren die drei Tage ebenso zeitlos vorbei, wie sie begonnen hatten und nun ist es Montag.